Daniela Fuchs im Gespräch zur Zukunft von auticons Neurodiversity & Inclusion Services (NIS)
auticon bietet als einziger Player am Markt ein eng integriertes Portfolio aus Technologieservices und Beratung, Schulungen, Trainings und Coaching für Neurodiversität am Arbeitsplatz. Basis ist das auticon Modell für die Projektarbeit mit autistischen IT Fachleuten, das auf Briefings über Autismus für die Kunden, Anpassung der Arbeitsumgebungen für die auticon IT Consultants und fortlaufender Begleitung der neurodiversen Projektteams basiert. Das Wissen der auticon Job Coaches und Project Manager*innen aus diesen Projekten und die eigenen Erfahrungen der neurodivergenten auticon Mitarbeitenden, die 80 Prozent der Belegschaft ausmachen, fließen in Services für Unternehmen, die Neurodiversität fest in ihrer Kultur verankern wollen. Daniela Fuchs erzählt uns, wie auticon diese Services aktuell weiterentwickelt.
Gelebte Neurodiversität: Das auticon Team
Hallo Daniela, danke dass du heute hier bist. Du wirst uns heute etwas über die Zukunft der auticon Services für Neurodiversity & Inclusion erzählen. Welche Rolle hast du bei auticon und in diesem Servicebereich?
Ich bin 2020 bei auticon gestartet, damals als Job Coach in Frankfurt. Seit vier Jahren leite ich den Bereich Job Coaching und verantworte unsere Neurodiversity & Inclusion Services, kurz NIS.
Gemeinsam mit meinem Team bieten wir Trainings, Coachings und Beratung rund um das Thema Neurodiversität an. Viele von uns bringen auch private Erfahrungen mit ein – ich selbst beschäftige mich seit über zehn Jahren intensiv mit dem Thema und das sowohl beruflich als auch aus persönlicher Perspektive.
Im NIS Team arbeiten mit mir vor allem Job Coaches zusammen, darunter sowohl neurodivergente als auch neurotypische Kolleg*innen. Wir beziehen zudem immer wieder auch autistische IT Consultants von auticon ein. Deshalb sind unsere Trainings, Coachings und unser Advisory sehr praxisorientiert und authentisch.

Unsere Mission weitergedacht
auticons Erfolg basiert darauf, dass wir vor jedem Projektstart bei einem neuen Kunden das Team über Vorteile und Möglichkeiten von Neurodiversität aufklären, vor allem über Autismus. Auf dieser Basis schaffen wir die Rahmenbedingungen, unter denen unsere autistischen Kolleg*innen und die Teams des Kunden gut zusammenarbeiten können. Wie haben sich daraus die NIS entwickelt?
Unsere Mission war schon immer klar: möglichst vielen Autist*innen eine gleichberechtigte Chance am ersten Arbeitsmarkt zu geben und gleichzeitig Unternehmen zu zeigen, wie wertvoll neurodiverse Teams für ihre Organisation sein können.
Mit unseren Tech Services haben wir viel erreicht. Aber es gibt eben Autist*innen, die sich gar nicht für IT interessieren, und natürlich trotzdem eine wertvolle Perspektive einbringen können. Viele Unternehmen haben Interesse an unserem Wissen und unseren Erfahrungen gezeigt, auch wenn sie keinen Platz für IT-Fachkräfte hatten. Gleichzeitig haben wir bei unseren Kunden nur die Teams, in denen unsere Consultants arbeiten, über Autismus informiert – während andere Bereiche im Unternehmen unberührt geblieben sind.
Aus dieser Gemengelage sind die Neurodiversity & Inclusion Services entstanden. Vor etwa vier Jahren gab es ein großes Kick-off Meeting und wir haben uns international mit einigen Job Coaches getroffen und eine erste Awareness-Session und 2 Grundlagen-Trainings einstudiert. Seitdem ist viel passiert und wir haben nach und nach unser Portfolio erweitert.
Neuroinklusion ist in Unternehmen angekommen
Wie wurden die Services für Neurodiversität und Inklusion – oder wir wir sagen “Neuroinklusion” – von Unternehmen angenommen und was hat sich seitdem verändert?
Aus meiner Sicht verändert sich generell das Thema Neurodiversität und es hat in den letzten Jahren deutlich an Sichtbarkeit gewonnen. Unternehmen haben verstanden, dass sie sich auf Mitarbeitende mit Autismus, ADHS oder anderen Neurodivergenzen einstellen müssen, um diese guten Fachkräfte zu halten und wettbewerbsfähig zu bleiben. Darüber haben sie auch mit uns gesprochen und haben oft gefragt, ob wir auch zu ADHS, Dyslexie oder Legasthenie beraten können, nicht nur zu Autismus. Da viele unserer Kolleg*innen mehrere Diagnosen mitbringen und wir in Coachings zunehmend mit einem breiteren Spektrum arbeiten, sind wir automatisch Expert*innen für verschiedene Varianten der Neurodivergenz. auticons Motto war es immer, weniger auf Diagnosen zu achten, sondern das Individuum zu unterstützen, mit seinen ganz eigenen Ausprägungen.
Zertifizierungprogramme für Neurodiversität
Auch unser NIS Portfolio ist auf die Vielfalt der Neurodivergenzen ausgerichtet und hat sich mit steigendem Interesse in der Gesellschaft und Wirtschaft an diesem Thema schnell weiterentwickelt:
- Awareness Sessions und Basis-Trainings sind weiterhin als Grundlage sehr gefragt, weil sie schnell viele Mitarbeitende erreichen.
- Momentan steht z.B. auch unser eLearning hoch im Kurs, das wir vor zwei Jahren entwickelt haben. Es ist eher ein Grundlagenkurs, dauert ca. eine Stunde und vermittelt kompakt Wissen über das Thema. Das unterstützt alle Mitarbeitende eines Unternehmens dabei, ihre neurodivergenten Kolleg*innen besser zu verstehen. Außerdem gibt es am Ende ein Zertifikat – eine schöne Anerkennung für die Teilnehmenden.
- Für diejenigen, die das Thema noch vertiefen möchten, haben wir zwei neue Zertifizierungen entwickelt, denn wir sehen, dass belegbare Kompetenzen in Neurodiversität nicht nur wichtig, sondern auch karrierefördernd sind. Immer mehr Unternehmen wollen Neurodiversität fest in ihrer Kultur verankern, und dabei helfen wir gerne.

Für wen sind die beiden neuen auticon Zertifizierungsprogramme geeignet?
Für unterschiedliche Zielgruppen. Das “Ambassador Program” ist für alle Mitarbeitenden gedacht, die sich als Botschafter*innen für Neurodiversität engagieren möchten. Sie lernen hier, wie sie das Thema intern und extern vertreten und aktiv Kolleg*innen beraten können.
Das “Manager Program” richtet sich speziell an Teamleitungen, Projektverantwortliche und direkte Vorgesetzte, die mit neurodivergenten Kolleg*innen arbeiten. Beide Programme sind sehr praxisnah und basieren auf unserer Erfahrung aus 15 Jahren Zusammenarbeit in neurodiversen Teams. Unsere Erfahrungen decken übrigens alle Phasen des Employee Lifecycle ab.

Die Programme sind CPD-akkreditiert und schließen mit einer Zertifizierung und digitalen Abzeichen ab. Ab Herbst bieten wir die Programme erstmals auf Deutsch an – ein paar Plätze sind noch frei. Besonders spannend finde ich, dass die Teilnehmenden aus verschiedenen Unternehmen kommen und direkt voneinander lernen können.
Weitere Informationen zu auticons Zertifizierungen für Neurodiversität im Herbst 2026
Was wird am Portfolio noch verändert?
Grundlagen sind und bleiben zentral für den Einstieg. Unsere Awareness Session und unser eLearning sind dafür perfekt und bleiben fester Bestandteil unseres Angebots. Für individuelle Unternehmensziele bieten wir außerdem Kurztrainings an, mit denen zum Beispiel Teams im Recruiting, in der internen Kommunikation oder im Onboarding gezielt unterstützt werden. In der Praxis ist es oft so, dass wir diese Trainings als Bausteine eines Gesamtkonzepts kombinieren und genau an die jeweiligen Anforderungen anpassen.
Bei unserem eLearning-Programm gibt es eine Neuerung: Es wird bis Ende des Jahres direkt über unsere Website buchbar sein – ideal für Einzelpersonen oder kleinere Unternehmen, die so einfach Zugang zum Thema bekommen. Für große Firmen bleibt es weiterhin möglich, eine große Anzahl an Lizenzen zu erwerben und in ihrem eigenen LMS zu arbeiten. So können sie Neurodiversität fest ins Onboarding oder in Weiterbildungen integrieren.
Ansonsten möchten wir gerne unser Analyse-Tool „ñima“ zugänglicher für Unternehmen machen. In Gesprächen mit Kunden stelle ich immer wieder fest, dass die Neugier groß ist und sie durch anonymisierte Umfragen gerne erfahren möchten, ob und wie viele neurodivergente Mitarbeitende sie haben und ob diese sich in ihrer Arbeitsumgebung wohlfühlen. Alles in allem gibt „ñima“ einen wahren Schatz an Daten preis und ermittelt, welchen Reifegrad das Unternehmen beim Thema Neurodiversität hat. Auf Basis der Ergebnisse kann ein Unternehmen wunderbar weiterarbeiten. Die Bank of Ireland war einer der ersten Kunden, die das in sehr großem Umfang mit uns durchgeführt und messbare Erfolge erzielt haben, von denen sie auch in unserer Case Study über die Bank of Ireland erzählen. Auch in Deutschland haben wir das Assessment ñima gerade bei einer sehr großen Organisation im Finanzbereich durchgeführt und gehen im zweiten Schritt jetzt die Bereiche an, in denen sich das Unternehmen noch mehr Neuroinklusion wünscht.
Das klingt sehr spannend! Wir freuen uns darauf, mehr über solche Leuchtturm-Organisationen zu erfahren, die einen solchen kulturellen Change vorantreiben. Danke für die Einsichten in den Status der Neurodiversität in Unternehmen und die Zukunft der auticon NIS.
Das Interview führte Ursula Schemm